VCI-Position kompakt

Handelspolitik

25. Februar 2025 | Position

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Die Welthandelsordnung der vergangenen 80 Jahre gerät ins Wanken: Die Zollpolitik der neuen US-Administration erschüttert geltende Prinzipien und etablierte Allianzen. Schleichend höhlt der Aufstieg der staatskapitalistischen Volksrepublik China die Regeln für freien und fairen Wettbewerb aus.

Geopolitisches Powerplay tritt an die Stelle des regelgebundenen Systems. Eine neue Ordnung ist nicht in Sicht. In dieser neuen Lage muss die EU ihren Platz neu bestimmen. Innere Einigkeit, der Abbau einseitiger Abhängigkeiten und diversifizierte Handelsbeziehungen gewinnen an Bedeutung. Leider hat auch die EU selbst das Handelsumfeld für die hier ansässigen Unternehmen beeinträchtigt – bei Ex- und Import. Durch Handelsbarrieren wie „Grenzausgleichsmaßnahmen zum Klimaschutz“ (CBAM) setzte sie stark auf Alleingänge im Klima- und Umweltschutz. Zudem haben hohe Energiekosten und eine zunehmende Regulierungsdichte die internationale Wettbewerbssituation der hiesigen Industrie erheblich verschlechtert.

Wertschöpfungsketten unter Druck

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie trägt als Teil innovativer Wertschöpfungsnetzwerke weltweit zu wachsendem Wohlstand und den UN-Nachhaltigkeitszielen bei. 2023 exportierte sie Erzeugnisse im Wert von rund 254 Milliarden Euro. Der Import betrug 177 Milliarden Euro. Die Branche importiert selbst Rohstoffe, Vorprodukte und Technologie. Sie produziert global und nutzt die Nähe zu Absatzmärkten, spezifische Standortvorteile und ihren Know-how-Vorsprung auf Basis geistiger Eigentumsrechte. Unterdessen produzieren ausländische Unternehmen hier.

Bereits vor der Zollpolitik von Präsident Trump haben die Unternehmen ihre Lieferketten infolge der Corona-Pandemie und des US-chinesischen Hegemonialkonflikts angepasst. Dabei ist Resilienz neben Effizienz und Nachhaltigkeit eine wichtige Zielgröße – gerade für die Exportnation Deutschland, die sich nicht isolieren sollte: Durch Abschottung drohen Wohlstandseinbußen, und weniger internationale Vernetzung bremst die so drängende Transformation der Wirtschaft.

Anpassung an eine neue Weltordnung

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie agierte im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO lange erfolgreich. Die neue geopolitische Umgebung erfordert nun Strategieanpassungen, sowohl in den Unternehmen als auch in der Politik. Leider setzt die EU weiterhin eher auf Barrieren, Kontrollen und Schutzmaßnahmen als auf die Stärkung des Standorts. Dabei ist der Wettbewerbsdruck höher denn je – durch unnötige Belastungen in der EU und Standortvorteile in anderen Ländern.

Die EU muss sich für die zahlreichen globalen Herausforderungen fit machen, ohne sich abzuschotten. Handelsverträge sollten die Diversifizierung der Beziehungen und so die Resilienz erhöhen. Ein Positivbeispiel ist, vorbehaltlich seiner Ratifizierung, die politische Einigung zum Mercosur-Handelsabkommen. Die globale Transformation erfordert fairen Wettbewerb und Kooperation, etwa im Rahmen des Klima-Clubs. Neue Kontrollen und Ausgleichszölle sollte es nur begrenzt und auf solider Datenbasis geben.

DAFÜR SETZT SICH DER VCI EIN

  • EU muss geschlossen den Wettbewerb mit USA, China und anderen annehmen
    Die EU muss angesichts der geopolitischen Herausforderungen durch die beiden Großmächte USA und China einig auftreten, den Standort stärken, ihr Beziehungsnetz ausbauen und Kontrollen fokussiert und effizient gestalten sowie die Beziehungen zu beiden Ländern selbstbewusst und dialogorientiert gestalten.
  • Bilaterale Partnerschaften stärken und Handelsbarrieren abbauen
    Die EU-Industrie braucht Handel und klare Handelsregeln. Zur Diversifizierung von Handelsbeziehungen werden bilaterale Abkommen wichtiger, ihr Rahmen sollte flexibler gestaltet sein als bisher. Offene Märkte und Regeln für fairen Wettbewerb müssen das Ziel bleiben – über die WTO und andere Abkommen.
  • Wettbewerbsverzerrungen ausgleichen statt Wettbewerb ausschalten
    Viele europäische Unternehmen stehen unter hohem Wettbewerbsdruck. Die Politik sollte gute Standortbedingungen in der EU schaffen und in Einzelfällen evidenzbasiert gegen unfaire Subventionen in Drittstaaten vorgehen. Belastende autonome EU-Maßnahmen müssen überprüft und modifiziert werden.

Kontakt

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Dr. Matthias Blum

Dr. Matthias Blum

Abteilungsleitung Außenwirtschaft, Außenwirtschaftspolitik, europäische/nationale Industriepolitik